Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Hurenkind

Umgangssprachlicher Begriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Handschriftsetzer aus der Periode des materiellen Schriftsatzes (Bleisatz) für einen Fehler im Umbruch einer Schriftsatzarbeit. Letzte Zeile eines Absatzes, die fehlerhaft alleine am Anfang einer neuen Kolumne, also am Anfang einer neuen Seite steht. Heute als
Witwe bezeichnet.

[T] Abgesehen davon, dass Umbruchfehler unästhetisch sind, stören sie den inhaltlichen und formalen Leserhythmus.
[T] Der gewerbespezifische Sprachschatz umfasste in einer
Offizin weit über tausend historische und aktuelle Begriffe. Soziolinguistisch ist der Begriff »Hurenkind« auch ein Indiz dafür, dass der Beruf des Schriftsetzers über Jahrhunderte ausschließlich von Männern ausgeübt wurde. Der Begriff »Hurenkind« sollte heute besser vermieden werden, da er sicherlich nicht mehr zeitgemäß ist und heute eine unreflektierte Geisteshaltung gegenüber Frauen widerspiegelt.
[L] Wolf, Hans-Jürgen Wolf: Geschichte der graphischen Verfahren, Historia Verlag, Dornstadt, ISBN 3-980-0257-4-8.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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