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Kerning
1. Typographischer Terminus aus dem englischsprachigen Raum für das Ausmitteln kritischer Buchstabenkombinationen; ästhetischer Schriftweitenausgleich kritischer Buchstabenpaare innerhalb eines Fonts, der in einer Unterschneidungs-, Ästhetik- oder Kerning-Tabelle durch den Schriftgestalter vorgegeben wird. In der Mikrotypographie auch als » Zurichtung einer Schrift « bezeichnet. Der Begriff Kerning konnte sich mit Beginn des optomechanischen Schriftsatzes (Fotosatz) auch im deutschsprachigen Raum etablieren.
Innerhalb eines Fonts kann es bis zu 80.000 definierte Kerning-Paare (z.B. Linotype ® GX-Fonts) geben. Kritische Buchstabenkombinationen sind u.a.:
- AV AvAwAy
Fa Fe Fi Fo Fr Fu
LT LV Ly
Pa Pe Pi Po
Ta Te Ti To Tr Ty
Va V.
Ya Yo Y.
aj av aw ay
ej ev ew ey
fa fe f, f.
oj ov ow oy
va ve vo v, v.
wa we wo w, w.
ya ye yo y, y.
2. Manipulation der Normalschriftlaufweite (NSW) in Schriftsatzprogrammen, beispielsweise in Adobe InDesign ® oder in QuarkXpress ®, um die Laufweite eines Wortes (Wort-Kerning), eines Wortzwischenraums (Wortabstands-Kerning), eines Satzes oder eines Textabschnitts bzw. den Abstand zwischen zwei Buchstaben zu spationieren oder zu unterschneiden. Differenziert wird hierbei zwischen optischen (Optischer Schriftweitenausgleich) und metrischen Kerning. Kerningoperationen werden in der Regel in der relativen Maßeinheit Geviert gemessen.
[T] Automatisches Ausmitteln bezeichnet man besser als » Kerning «, manuelles Ausmitteln als » Ausgleichen « (Optischer Schriftweitenausgleich).
[T] Der optimale Raum zwischen zwei Buchstaben kann zwar u.a. durch Long- oder Short-Kerning-Tabellen vorgegeben werden; diese ersetzen aber keinesfalls das geübte Auge eines Typographen, Schriften in ihrer Anwendung optimal zu interpretieren.
[T] Viele Schriften sind heute aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen schlecht, manche sogar überhaupt nicht » zubereitet «. Das bedeutet in der Regel nichts anderes, dass das Kerning fehlerhaft ist oder fehlt. Deshalb ist in vielen Fällen der manuelle, optische Ausgleich eines Textes, eines Wortes oder einer Buchstabenkombination erforderlich.
[T] Peter Karow: Schrifttechnologie, Methoden und Werkzeuge, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, N.Y., ISBN 3-540-54918-8.
Aufsatz zuletzt bearbeitet am 31.10.2008
von Wolfgang Beinert
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