Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Optischer Schriftweitenausgleich
Optischer Laufweitenausgleich

Typographischer Terminus für den optischen Ausgleich von Buchstaben, Sonderzeichen und Zahlen mittels Spationierung und Unterschneidung; Manipulation der Normalschriftweite (NSW) bzw. Laufweite eines Textes, eines Wortes, eines Wortzwischenraums oder einer Buchstabenkombination. Auch als Optischer Laufweitenausgleich, Optisches
Kerning, Ausgleichen oder Ausmitteln bezeichnet.

Der Optische Schriftweitenausgleich (OSW) gehört in das Segment der Mikrotypographie und ist eine Methode, um ästhetische Schrift(lauf)weiten ohne häßliche Lücken oder Komprimierungen zu erzielen, kritische Buchstabenkombinationen optisch – nicht rechnerisch – auszugleichen und somit die Lesbarkeit eines Schriftsatzes zu optimieren.

[T] Der optimale Raum zwischen zwei Buchstaben kann zwar u.a. durch Long- oder Short-Kerning-Tabellen vorgegeben werden; diese ersetzen aber keinesfalls das geübte Auge eines Typographen, Schriften in ihrer Anwendung optimal zu interpretieren.
[T] Prägnante Kapitälchen- und Majuskelzeilen, beispielsweise für Wortbildmarken, Headlines etc., sollten grundsätzlich » optisch ausgeglichen « werden. Ein metrischer bzw. ein rein rechnerischer Ausgleich erzielt hier oft nicht das gewünschte Resultat.
[T] Moderne Schriftsatzprogramme, beispielsweise die Software InDesign von Adobe ®, können bereits zwischen metrisch und optisch unterscheiden.
[T] Viele Schriften sind heute aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen schlecht, manche sogar überhaupt nicht » zubereitet «. Das bedeutet in der Regel nichts anderes, dass das die Normalschriftweite (NSW) und das Kerning fehlerhaft ist. Deshalb ist in vielen Fällen der Optische Schriftweitenausgleich (OSW) eines Textes, eines Wortes oder einer Buchstabenkombination erforderlich.
[T] Im materiellen Schriftsatz (z.B. Holz- oder Bleisatz) verwendete man für das » Ausgleichen «, in diesem Falle beim Spationieren, so genannte » Einpunktfüller « bzw. » Einpunktspatien «, » Halbpunktfüller « bzw. » Halbpunktspatien « oder » Kartenspäne «. Typographen, die ihr Handwerk meisterlich beherrschten, glichen kritische Buchstabenkombinationen in kleinen Schriftgraden (Konsultationsgrößen) sogar mit Seidenpapier aus.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 08.11.2008
von
Wolfgang Beinert




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Quelle: © Wolfgang Beinert, Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie
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