Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Schriftgrad

Buchstabengröße; Schriftgröße; Schrifthöhe; Höhe der
Buchstaben einer Druck- oder Screenschrift; im materiellen Schriftsatz (Bleisatz) als Kegelgröße bezeichnet. In der Typographie existieren keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen für Schriftgrößen im Sinne der Metrologie und der Typometrie. Schriftgrade werden deshalb mit unterschiedlichen Methoden und Maßsystemen gemessen.

In der
Typographie wird der Schriftgrad traditionell bei gemischten Alphabeten (Groß- und Kleinbuchstaben) von der Grundlinie zur H-Linie an der Versalhöhe (Majuskeln ohne Akzente), bei Minuskelalphabeten durch Addition der Summanden Mittellänge und Oberlänge von der Grundlinie bis zur H- oder k-Linie (Schriftlinien) ermittelt.

Druckschriftgrade werden in Konsultationsgrößen, Lesegrößen, Schaugrößen und
Plakatgrößen unterteilt. Im materiellen Schriftsatz (Bleisatz) existieren für alle gängigen Kegelgrößen Eigennamen, die so genannten Mittel.

[T] Schriftgrade können nur relativ sein, da verbindliche Bemessungsgrundlagen für Schriftgrößen im Sinne der Metrologie und der Typometrie nicht existieren.

[T] Die Divergenz bei Typometern, Software, Peripheriegeräten (RIPs) etc. ist – trotz oft gleich lautender Termini und Größen – gravierend.
[T] Schriftgrade, die auf Benutzeroberflächen dargestellt werden, sind noch »relativer« als gedruckte Schriftgrade, egal welche Maßeinheit (z.B.
Typographischer Punkt) verwendet wird.
[T] Schriftgrade auf Benutzeroberflächen sind insbesondere systemabhängig, wie bispielsweise das »Windows/Mac Font-size-Problem«. Windows berechnet die Bildschirmauflösung mit 96 dpi (dot per Inch = Punkte per Zoll) und Apple mit 72 dpi. Als weitere Variable gilt die physische Größe des Bildschirms und die verwendete Auflösung. Weitere Variablen sind u.a. unterschiedliche Browser.
[T] In Deutschland ist offiziell das metrische System, also die Angaben in mm, cm bzw. Meter bindend.
[T] Der Schriftgrad alleine hat nur sehr wenig mit der optimalen Lesbarkeit eines Schriftsatzes zu tun, auch wenn dieser Irrglaube leider weit verbreitet ist.
[T] Obwohl Lese-, Gleitsichtbrillen und Mehrstärken-Kontaktlinsen eine Presbyopie (Alterssichtigkeit, beginnend ca. ab dem 40. Lebensjahr) erfolgreich ausgleichen können, sollte bei der typographischen Gestaltung daran gedacht werden, dass in der Hektik des Alltags nicht immer eine Lesebrille parat ist. Kleine Schriftgrade sind zwar hübsch, aber für die meisten »Über40jährigen« nur schwer oder nicht lesbar.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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